Gruppe Wissenschaftlischer Sozialismus (GWS)

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NEUE Broschüre erschienen: 

 

 

Verteidigung der Antithese „Sozialismus gab es nie!“ -Eine erweiterte Beweisführung- von Dipl.-Ing. Lion Wagner.

Hier finden sie das Vorwort und hier das Inhaltsverzeichnis. Die neue Broschüre enthält eine erweiterte Beweisführung der Schrift "Sozialismus gab es nie!". Wer "Sozialismus gab es nie" bereits bezogen hat, kann die neue Broschüre für 5 € + Porto beziehen, ansonsten vertreiben wir beide Titel zusammen für 15 € + Porto. 

 

 

Übersicht über die Broschüren die wir gedruckt haben sowie das Buch

von Dipl.-Ing. Lion Wagner   

 

Autor: Dipl.-Ing. Lion Wagner:  

a)      Sozialismus gab es nie! (Teil 1: Gegen den gnoseologischen Revisionismus der These von der historischen Existenz des Sozialismus/Kommunismus  /// Teil 2: Neue Studien zum Opportunismus, Reformismus und Revisionismus) + Broschüre 3: Verteidigung der Antithese „Sozialismus gab es nie!“ -Eine erweiterte Beweisfügrung-, drei Broschüren, Preis = 15 € + Porto 

 

b)      Produktionsmitteleigentumsfrage und gesellschaftlicher Fortschritt  ( Teil 1: Die Stellung einer künftigen Partei des gesellschaftlichen Fortschritts zur Produktionsmittel-Eigentumsfrage und zu deren Lösung /// Teil 2: ANHANG "Sozialismus kontra Sozialdespotismus ") in zwei Broschüren, Preis = 10 € + Porto 

 

c)      Krieg und Gesellschaftssystem - Studien zur bewaffneten politischen Gewalt und zur politischen Nichtgewalt (Buch), Preis = 15 € + Porto 

 

d)     Der Kosovo-Krieg und das Verwelken der Nato-Rose, Preis = 3 €+ Porto   

 

Autor: Mark Staskiewicz: 

 

e)      Gab es Sozialismus? (War die Sowjetunion sozialistisch und hat eine kapitalistische Restauration stattgefunden? Kritik am Buch von B.Bland: „Die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion“) in zwei Broschüren, Preis = 5 € + Porto 

 

f)       Diskussion über die Broschüre "Gab es Sozialismus?",  Preis = 2 € + Porto 

 

g)      Eindrücke und Diskussionen zweier Marxismuskonferenzen, Preis = 1,50 € + Porto 

 

h)      Der Neokolonialismus des deutschen Imperialismus, Preis = 3,50 € + Porto 

 

i)        Brain Drain, Neokolonialismus und Brain Exchange - Der internationale Abwerbungskampf um die wissenschaftliche Elite - /// Zu der Situation in Kurdistan, Preis = 1,50 €   

 

Autor Canroz Dersimij:

 

·        Siehe i) Artikel: Zu der Situation in Kurdistan

 

 
Die Jagd nach dem Extraprofit und die Notwendigkeit von neuen Produktionsverhältnissen (März 2009) PDF Drucken E-Mail

Die Jagd nach dem Extraprofit

und die Notwendigkeit von neuen Produktionsverhältnissen 

 

Zum Mehrwert:  Die Arbeiterklasse als lohnabhängige Klasse, ist gezwungen ihre Arbeit zu verkaufen. Die Arbeiterklasse schafft durch die produktive Arbeit ständig neue Werte. Die Kapitalistenklasse bezahlt aber nur einen Teil dieses Wertes als Lohn an die ArbeiterInnen. Somit existiert ein Teil der Arbeit, der nicht bezahlt wird. Dies ist der Mehrwert. Die Mehrwertproduktion steht auf der Grundlage des Privateigentums, der Lohnarbeit, der Ausbeutung der Arbeiterklasse und darauf, dass so nur ein Teil des geschaffen Wertes bezahlt wird. Sie steht auf der Grundlage der Kapitalproduktion und ist eine ökonomische Grundkategorie der polit-ökonomischen Gesellschaftsformation Kapitalismus/ Imperialismus. Die Produktion von Mehrwert zur Erzielung von Profiten ist der Zweck der kapitalistischen Produktion.

Anders ausgedrückt: Der Mehrwert ist also der Wert, den die produktiv tätige Arbeitskraft über ihren Reproduktionswert hinaus schafft. Durch die Lohnabhängigkeit wird also der Arbeiter gezwungen ein Mehrprodukt für den Kapitalisten zu schaffen. Durch den Verkauf des Mehrprodukts realisiert sich der Mehrwert. Der Mehrwert ist also unbezahlte Arbeit des Arbeiters.

Der Kapitalist investiert konstantes und variables Kapital und lässt Waren produzieren. Er bekommt das investierte Kapital mit einem Plus heraus, wenn er diese Waren verkauft G-W-G+Der Kern des Akkumulationsgesetztes des Kapitals ist die „Anwendung von Mehrwert als Kapital und Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital“, fand Karl Marx heraus. 

 

Die „Jagd nach dem Extraprofit“: Der Extramehrwert ist ein zusätzlicher Mehrwert. Er entsteht durch eine größere Produktivität der Arbeit im Konzern A im Vergleich zu seiner Konkurrenz (Konzern B, Konzern C usw.) [vgl. Karl Marx, Marx-Engels Werke Bd.23, Das Kapital Bd. 1; S. 336f]. Durch den Verkauf der Waren realisiert sich dann der Extraprofit. Stellen wir dies einmal in einem Beispiel dar. Im Konzern A wird die Produktionsweise verbessert. Konnten bisher in einer Stunde insgesamt 10 Autoreifen von einem Arbeiter hergestellt werden, so sind es nun 11. Da der Arbeiter keine Lohnerhöhung bekommt, sinkt der individuelle Wert eines Reifens im Konzern A. Denn im Konzern B werden weiter nur 10 Reifen produziert. Der gesellschaftlich durchschnittliche Wert eines Reifens liegt beispielsweise bei 100 €. Und nehmen wir an, dass die Kapitalisten A und B beide auf dem Markt auch diesen Preis verlangen. Die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeit für die Produktion von 10 Reifen beträgt 1 Stunde. Der Lohn der den Arbeiter im Durchschnitt bezahlt wird beträgt 10 Euro. Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass im Konzern A und B jeweils 10 € pro Stunde bezahlt wird. Die Kosten für den Lohn der Arbeiter des Kapitalisten B sind also pro Reifen 1 €, beim Kapitalisten A sind es durch die Steigerung der Produktivität gerundete 0,91 €. Der Wert den ein Arbeiter im Konzern B pro Stunde schafft beträgt 1.000 € (10 X 100), im Konzern A aber schon (11 X 100) 1.100 €. Haben beide Konzerne jeweils 100 Arbeiter die jeweils 10 Stunden arbeiten so zeigt sich um welche Summen es beim Extraprofit gehen kann: Im Beispielskonzern B wären es dann 1.000 Euro Wert pro Stunde X 100 Arbeiter X 10 Stunden = 1.000.000 €. Im Beispiel A wären es 1.100 X 100 X 10 = 1.100.000 €. Dies wären ganze 100.000 mehr pro Tag. Der Kapitalist A eignet sich einen größeren Teil des Arbeitstages für die Mehrarbeit an. Die Jagd auf den Extraprofit wird zum Zwang. Denn will der Konzern B im Konkurrenzkampf zu A nicht unterliegen und im schlimmsten Fall Pleite gehen, so ist er gezwungen ebenfalls seine Produktionsweise zu verbessern und möglichst diese noch im Vergleich zur Produktionsweise von Konzern A zu verbessern [vgl. Kapital; S.337f]. Dadurch entsteht die lukrative Jagd, die die Monopole gewinnen.

Marx schrieb: „Der Kapitalist, der die verbesserte Produktionsweise anwendet, eignet sich daher einen größeren Teil des Arbeitstags für die Mehrarbeit an als die übrigen Kapitalisten in demselben Geschäft“ [Kapital Bd. 1 S. 337].

Hinzu kommt, dass wenn mehrere Konzerne die Produktionsweise verbessern und die Produktivkräfte sich weiterentwickeln, dass dann auch der gesellschaftlich durchschnittliche Wert einer Ware sich verändert, dieser sinkt [vgl. Kapital Bd. 1; S. 559]. Ein Kapitalist, der aber weiter auf der alten Produktionsweise produziert, könnte dann im Extremfall höhere Kosten für die Produktion haben als er für seine Produkte auf dem Mark realisieren kann [vgl. Kapital Bd. 1; S. 559]. Wird eine Erfindung gemacht die Waren schneller produzieren lässt, sinkt der Wert auch der Waren, die vorher produziert wurden aber noch nicht verkauft sind. Dies kann im Extremfall den Untergang eines Konzerns bedeuten.

Enorme Extraprofite erzieht der deutsche Imperialismus auch aus der neokolonialen Ausbeutung. Die Extraprofite können auch genutzt werden um Krisen auszugleichen.  

 

Die Jagd führt auch zur weiteren Konzentration des Kapitals: Unter Konzentration des Kapitals ist das Anwachsen des Kapitalumfangs in die Hände einzelner Kapitalisten durch die Akkumulation von Kapital (also der Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital, wie oben bereits angedeutet) zu verstehen. Die Konzentration des Kapitals wird durch den Konkurrenzkampf, die Jagd nach Extraprofiten und die Versuche die tendenziell fallende Profitrate durch eine größere Profitmasse zu kompensieren beschleunigt. Es kommt zur Massenproduktion. Es kommt zur weiteren Monopolisierung.  

 

Die Jagd führt zur weiteren Zentralisation des Kapitals: Bereits gebildetes Kapital wird durch den Zusammenschuss mehrerer Kapitale bzw. durch das Aufschlucken schwächerer Kapitale durch stärkere Kapitale vereint. Marx definiert die Zentralisation des Kapitals, sie ist demnach: die  „Konzentration bereits gebildeter Kapitale, Aufhebung ihrer individuellen Selbstständigkeit, Expropriation von Kapitalist durch Kapitalist, Verwandlung vieler kleineren in weniger größere Kapitale […] Das Kapital schwillt hier in einer Hand zu großen Massen, weil es dort in vielen Händen verloren geht. Es ist die eigentliche Zentralisation im Unterschied zur Akkumulation und Konzentration“ [MEW Bd. 23; S. 654].

Die Zentralisation des Kapitals ergänzt die Akkumulation, die durch die Konzentration des Kapitals vollzogen wird. Durch die Zentralisation wird eine sprunghafte Ausweitung der kapitalistischen Produktion ermöglicht. Eine Aktiengesellschaft ist z.B. eine Form, die die Zentralisation beschleunigt.   

 

Die Widersprüche verschärfen sich tendenziell: Der Imperialismus führt tendenziell zur Verschärfung von Widersprüchen. Den Monopolen ist es tendenziell nicht möglich jede Krise zu verhindern. Von der Tendenz her verschärft sich der chaotische Charakter der kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit. Krisen verschärfen die weitere Monopolbildung. Durch die Monopolpreise, kann aber der Antrieb für die Entwicklung weiteren technischen Fortschritts gehemmt werden [vgl. Lenin, Imperialismus, S. 105] Es treten aber auch gegenläufige Tendenz auf, da es nicht das absolute Monopol gibt, welches komplett alleine den Markt beherrscht und gar keine Konkurrenz mehr hat. Es kann also dazu kommen, dass Fortschritt tendenziell künstlich gehemmt wird. Allerdings darf man dies nicht so absolut sehen, und es gibt immer wieder auch technische Verbesserungen und Fortschritt. Es wäre aber ein noch größerer Fortschritt unter anderen, sozialistischen Produktionsverhältnissen möglich. Die Tendenz ist eine Stagnation und damit auch der Beginn einer Fäulnis. Die Tatsche, dass es z.B. zunehmend viele Rentnerkapitalisten gibt, die einfach von ihrem Geldbesitz leben, verschärft die Tendenz des Fäulnisbeginns weiter. Ebenso die Tatsache, dass die Welt sich in Wucher- (imperialistische Mächte) und Schuldenstaaten (Neokolonien) immer weiter spaltet.

Die Fäulnis des Systems und sein parasitäre Charakter (Rentnerkapitalisten) zeigen, dass die Frage nach neuen Produktionsverhältnissen auf die Tagesordnung zu stellen ist. Oder anderes ausgedrückt schreibt Lenin: „Dass der Imperialismus der Vorabend der sozialistischen Revolution ist“ [Lenin, Imperialismus als höchstes Stadium; S. 5]. Die bisher gescheiterten Versuche den Sozialismus aufzubauen, konnten kein sozialistisches System schaffen (siehe hierzu die Broschüre: „Sozialismus gab es nie!“ von Dipl.-Ing. Lion Wagner). Dies bedeutet aber nicht, dass der Sozialismus damit unmöglich ist. Vielmehr verlangen die gescheiterten Versuche genauere Untersuchungen über den möglichen Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus und den Sozialismus selbst.Gerade auch die Produktionsmitteleigentumsfrage ist zu klären. Hierzu empfehlen wir die Broschüre von Dipl.-Ing. Lion Wagner mit dem Titel „Produktionsmitteleigentumsfrage und gesellschaftlicher Fortschritt“. 

 

Zum Gesetz der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte: Das Gesetz geht davon aus, dass die Entwicklung der Produktivkräfte (PK), die Grundlage für die Entwicklung der Gesellschaft bildet. Die Produktionsverhältnisse (PV) fördern diese Entwicklung der Produktivkräfte solange, wie sie deren historischen Entwicklungsniveaus entsprechen. Aber sie können die Entwicklung der Produktivkräfte eben auch hemmen. Dies ist der Fall, sobald die Produktivkräfte eine neue Produktionsform hervorbringen bzw. deren Möglichkeit andeuten. Eine ungehinderte Entwicklung der Produktivkräfte erfordert also, dass die Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte übereinstimmen.

„Eine Gesellschaft geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnissee treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind.“ [Marx im Vorwort ‚Zur Kritik der Politischen Ökonomie’; MEW Bd. 13; S.9].

Wie wir aber gerade gesehen haben, hemmt der Imperialismus tendenziell die Entwicklung der Produktivkräfte. Hierfür kann es nur einen Grund geben, nämlich den, dass die Produktionsverhältnisse nicht mehr mit dem Charakter der Produktivkräfte übereinstimmen. Die Konzentration der Produktion oder auch andere Erscheinungen, wie die Just-In-Time-Produktion, deuten bereits neue Produktionsverhältnisse an, nämlich die einer sozialistischen Planwirtschaft. Wenn der Charakter nun aber eben nicht übereinstimmt, so kommt es bei einer gewissen Entwicklung dieses Widerspruchs zu einem richtigen Konflikt zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen. Es kann nur eine Lösung dieses Widerspruchs geben. Nämlich, dass die Produktionsverhältnisse im Kampf revolutioniert werden. Das also neue Produktionsverhältnisse erkämpft werden, die dann wieder eine optimale Entwicklung der Produktivkräfte ermöglichen. Der Konflikt wird über die in einem antagonistischen Widerspruch stehenden Hauptklassen, die Arbeiterklasse und die Ausbeuterklasse, ausgetragen und durch die soziale Revolution gelöst.

Bereits zu Lebzeiten von Marx gab es in der sozialdemokratischen Partei in Deutschland die Illusion, dass der Kapitalismus sich quasi selbst ein Ende macht und man nur abwarten müsse. Begünstigt wurden diese Illusionen durch Erkenntnismängel und somit auch falschen Interpretationen der Weltwirtschaftskrise aus dem Jahre 1873. Auch jetzt gerade gibt es verstärkt solche Illusionen. Durch eben solche Erkenntnismängel (im Bereich der politischen Ökonomie) kommt es zur Fehleinschätzung durch die aktuelle Krisenerscheinung. Es wird geglaubt, die Imperialisten können diese Krise nicht kompensieren, es würde gesetzmäßig zu starken Kämpfen der Arbeiterklasse kommen und somit würde der Imperialismus auch in eine politische Kriese kommen und die Systemfrage würde sich bald stellen.

Dabei wird vollkommen übersehen, dass es eben nur einen tendenziellen Fall der Profitrate gibt, dass es nur eine Tendenz zur Verschärfung der Widersprüche, der Krisen gibt. Übersehen wird die derzeitige Stärke des Imperialismus, die rasante Jagd nach Extraprofiten ist gerade auch noch für die imperialistischen Mächte erfolgreich und dadurch lässt sich durchaus viel kompensieren. Ebenfalls durch die anderen Möglichkeiten den tendenziellen Fall der Profitrate erst mal auszugleichen, wie die Verstärkung der Ausbeutung usw. Übersehen wird auch, dass derzeit immer wieder technischer Fortschritt möglich ist.

Auch ideologisch ist der Imperialismus derzeit nicht in Gefahr. Eine ideologisch starke Partei, die für den gesellschaftlichen Fortschritt kämpft, gibt es nicht. Die Entwicklung des Klassenbewusstseins ist unter solchen Umständen sehr schwierig. Auch die Kampfbereitschaft ist kein Automatismus und die derzeitigen Kämpfe drehen sich vor allem um tagespolitische, um ökonomische Ziele und Zugeständnisse, die nicht das System als solches in Frage stellen, sondern Reformen erkämpfen wollen. Ohne diesen subjektiven Fakt zu berücksichtigen, kann man zu keiner richtigen Einschätzung kommen. Unsere primäre Aufgabe ist es uns derzeit schwerpunktmäßig mit der Frage des Übergangs zum Sozialismus und des Sozialismus wissenschaftlich zu beschäftigen. Ohne klar zu wissen wohin man will, kann man nicht in die richtige Richtung schreiten. Eine Partei die für den gesellschaftlichen Fortschritt kämpft ist aufzubauen.

 

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Einen Kapitalismus ohne Krisen gibt es nicht! PDF Drucken E-Mail

Einen Kapitalismus ohne Krisen gibt es nicht!

Die „Finanzkrise“ ist in aller Munde. Und der Aufschrei der bürgerlichen Politiker ist groß. Ein Heiner Geißler spricht offen vom Kapitalismus, jedoch ohne um das Wesen zu erklären oder zu kritisieren. Doch der Tenor solcher Politiker ist: Einzelne aktuelle Erscheinungen seien schlecht, aber das System als solches sei richtig. Die Marktwirtschaft oder soziale Marktwirtschaft, wie sie den Kapitalismus nennen, müsse hier und da etwas reformiert werden und dann sei alles ok.  

Die Legende „damals gab es keine Krisen“: Bis hinein in Kapitalismus-kritische Kreise bleibt die Legende am Leben, dass es früher (in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren) keine Probleme gegeben habe. Es sei eben ein Wirtschaftswachstum vorhanden und deshalb hätte es keine Krisen gegeben. Dabei ließen sich verschieden Krisen, die zumindest in einzelnen Branchen existierten, aufzählen. Stellvertretend sei hier die internationale Krise in der Autoindustrie im Jahre 1974 genannt. Aufgrund dieser Krise (die Gründe für diese Krise würden den Rahmen dieses Textes sprengen) musste die Autoindustrie im ersten Trimester von 1974 die Produktion, im Vergleich zum Vorjahr,  in den USA um 28% in Großbritannien um 26% und in der BRD um 18,3% senken. Der Gewinn von Ford ging einst um 66%, der von Chysler gar um 98%, American Motors um 58% und bei Nissan um 40% runter. In den USA kam es zu Massenentlassungen, bei Fiat (Italien) wurde zwischenzeitlich eine 3-Tagewoche eingeführt und bei VW (BRD) kam es zur Kurzarbeit. Krisen sind also nichts Neues, keine negative Entwicklung von 2008, wie uns weisgemacht werden soll. 

„Guter“ Kapitalist,  „schlechter“ Kapitalist? Sehr beliebt ist es derzeit Bänker oder Spekulanten als das Übel schlechthin darzustellen und somit indirekt jeden anderen Kapitalisten als einen „guten“ Kapitalisten darzustellen. Schauen wir uns diesbezüglich Engels Sätze an und urteilen wir selbst: „Der Spekulant rechnet immer auf Unglücksfälle, besonders auf Missernten, er benutzt alles, wie z.B. seinerzeit den Brand von New York, und der Kulminationspunkt der Unsittlichkeit ist die Börsenspekulation in Fonds, wodurch die Geschichte und in ihr die Menschheit zum Mittel herabgesetzt wird, um die Habgier des kalkulierenden oder hasardierenden Spekulanten zu befriedigen. Und möge sich der ehrliche, »solide« Kaufmann nicht pharisäisch über das Börsenspiel erheben - ich danke dir Gott usw. Er ist so schlimm wie die Fondsspekulanten, er spekuliert ebensosehr wie sie, er muss es, die Konkurrenz zwingt ihn dazu, und sein Handel impliziert also dieselbe Unsittlichkeit wie der ihrige.“ [Engels in Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW Bd. 1; S. 515f] 

Der Kapitalismus führt tendenziell zu Krisen: Vielmehr hatte Karl Marx mit seiner Analyse (als wichtige Werke sind hier die Marx-Engels-Werke Bd., 23-25 [Das Kapital] sowie die Bd. 26.1-26.3 [Mehrwert] zu nennen) recht, der Kapitalismus führt tendenziell zu Krisen. Wir müssen uns in diesem Text auf einzelne Aspekte beschränken und werden z.B. nicht auf zyklische Krisen, Überproduktionskrisen etc. näher eingehen. Ganz allgemein sei festgehalten, dass eine Krise mit einem unterschiedlich starken Produktionsrückgang und mit einer unterschiedlich hohen Kapitalvernichtung (z.B. durch Überproduktion, die zu mehr Produkten führt als sie auf dem Markt verkauft werden könnten) verbunden ist. Im Folgenden soll etwas darauf eingegangen werden, dass der tendenzielle Fall der Profitrate tendenziell zu Krisen führt. 

Mehrwert und Profitrate: Um auf den tendenziellen Fall der Profitrate eingehen zu können, muss zunächst darauf hingewiesen werden was z.B. ein Mehrwert und was eine Profitrate ist. Der Mehrwert ist der Wert, den die produktiv tätige Arbeitskraft über ihren Reproduktionswert hinaus schafft. Durch die Lohnabhängigkeit wird also der Arbeiter gezwungen ein Mehrprodukt für den Kapitalisten zu schaffen. Durch den Verkauf des Mehrprodukts realisiert sich der Mehrwert. Der Mehrwert ist also unbezahlte Arbeit des Arbeiters. Der Kapitalist investiert konstantes und variables Kapital und lässt Waren produzieren. Er bekommt das investierte Kapital mit einem Plus (durch die Ausbeutung) heraus, wenn er diese Waren verkauft (G-W-G+). Nur der Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft kann Wert bzw. Mehrwert produzieren.Die Profitrate drückt das Verhältnis des Mehrwerts zum vorgeschossenen Gesamtkapital aus. Insofern handelt es sich bei der Profitrate auch um die verwandelte Form der Mehrwertrate. Im Unterschied zur Mehrwertrate, die den Ausbeutungsgrad ausdrückt, drückt die Profitrate den Verwertungsgrad des Kapitals aus. Die Profitrate ist also auch stets niedriger als die Mehrwertrate, sie verschleiert die Ausbeutung. Die Höhe der Profitrate ist zunächst abhängig von der Höhe der Mehrwertrate. Allerdings fließt in die Profitrate auch die organische Zusammensetzung des Kapitals  mit ein, die die Höhe der Profitrate bestimmt. Wenn also zwei Kapitale eine unterschiedliche organische Zusammensetzung haben, so ist deren Profitrate selbst dann unterschiedlich hoch, wenn die Mehrwertrate gleich ist. Das kommt daher, dass bei gleicher Größe des variablen Kapitals  (v) und gleicher Mehrwertrate (Mehrwertrate = m/v) bei Kapitalen mit ungleicher organischer Zusammensetzung das konstante Kapital (c) und damit auch das vorgeschossene Gesamtkapital größer oder kleiner ist und damit das Verhältnis des Mehrwerts zum vorgeschossenen Gesamtkapital größer oder kleiner ist. Also beim tendenziellen Fall wächst c und v schrumpft. Die Höhe der Profitrate wird schließlich auch durch den Umschlag des Kapitals bestimmt. Kapitale mit einem häufigeren Umschlag haben somit eine höhere Profitrate.Die Profitrate ist die entscheidende Triebkraft der kapitalistischen Ökonomie. Der Kapitalist legt sein Kapital da an, wo er sich die höchste Profitrate verspricht. 

Tendenzieller Fall der Profitrate: Zunächst ist wichtig zu benennen, dass es sich beim tendenziellen Fall der Profitrate um eine gesetzmäßige Erscheinung im Kapitalismus handelt.Das Gesetz besagt, dass die Durchschnittsprofitrate mit der Entwicklung der Produktivkräfte (dies gilt für die kapitalistische Gesellschaft) tendenziell fällt. Die technische Zusammensetzung des Kapitals steigt mit der zunehmenden Entwicklung und dem Streben nach maximalen Profiten. Die organische Zusammensetzung des Kapitals steigt also, und wenn dann die Ausbeutungsrate gleich bleibt, so sinkt die Profitrate. Die Ausdehnung der Produktion, der diesbezügliche Wachstum des Gesamtkapitals, führt zwar zu einer größeren Profitmasse, die Profitrate sinkt aber dennoch tendenziell. Dies hängt damit zusammen, dass trotz des Wachstums der Produktionsmittel nicht mehr Arbeiter (die aber den Wert schaffen) benötigt werden. Es muss immer mehr Kapital investiert werden um z.B. die immer komplexeren Maschinen bezahlen zu können. c wächst und v schrumpft also. Der Kapitalist ist zu alledem u.a.  durch die Konkurrenz gezwungen.Aber die Profitrate sinkt nicht absolut sondern tendenziell. Würde sie absolut sinken so dürfte der Kapitalismus gar nicht mehr aus seinen ökonomischen Krisen herauskommen. Die Profitrate sinkt tendenziell, da es auch gegenläufige Tendenzen gibt, die den Fall zeitlich befristet aufhalten können (wie durch die Ausweitung der Ausbeutung der Arbeiterkasse, z.B. durch höhere Arbeitsintensivität oder längere Arbeitszeit bei gleichbleibendem Lohn). Das Gesetz führt dazu, dass sich Unternehmen zusammenschließen um höhere Preise und höhere Profite erzielen zu können. Es gibt zwar die Tendenz der Produktionsdrosselung aber andererseits auch die Tendenz der Überproduktion, denn durch die Erhöhung des Warenangebots auf dem Markt, wird versucht die Profitmasse zu erhöhen. Die Widersprüche zwischen Proletariat und Ausbeuterklasse wachsen also, da die Ausbeutungsrate erhöht werden soll. Aber auch die Widersprüche zwischen den imperialistischen Mächten und den nicht so entwickelten Ländern verschärfen sich, denn sie sollen ja weiter ausgepresst werden. Das Gesetz führt zur verstärkten Monopolbildung und zur Herausbildung des staatsmonopolistischen Kapitalismus. Die genannte Überproduktion kann wiederum zu einer Krise führen. 

Wenn der kapitalistische Staat eingreift ist dies kein Sozialismus: Unterhält man sich über die Finanzkrise dann bekommt man nicht selten zu hören, dass wenn jetzt der Staat eingreife dies ja quasi schon kein Kapitalismus mehr sei, sondern ein „Sozialismus“, weil ja verstaatlicht würde. Dies zeigt, welch falsches Bild noch vom Sozialismus existiert. Beim Sozialismus geht es um ein ganz neues polit-ökonomisches System, dass u.a. die grundlegenden Widersprüche ständig löst. Den Sozialismus also auf „Verstaatlichung“ zu reduzieren ist grundlegend falsch. Es ist auch nicht so, dass das Eingreifen des kapitalistischen Staates etwas „untypisches“ wäre. Vielmehr gehört es zu den Aufgaben eines kapitalistischen Staates, dass er in solchen Fällen eingreift. Es kann auch mal zur Verstaatlichung ganzer Unternehmen kommen. Allerdings bedeutet dies dann nicht, dass diese dann immer staatlich bleiben, geht es ihnen wieder gut werden sie in der Regel zu günstigen Konditionen privatisiert. Darauf hat schon Lenin in seiner Schrift zum Imperialismus hingewiesen. 

Nein, eine Reform zu einem krisenfreien Kapitalismus ist nicht möglich: Aus dem Munde von den politischen Kräften die das System reformieren wollen, hört man häufig, dass man eben z.B. die Börsenspekulation oder das Treiben der Banken eingrenzen müsse. Da werden neue Steuermodelle entwickelt die dies angeblich regulieren sollen. Dabei wird aber völlig verkannt, dass die Spekulationen und Bankgeschäfte keine zufällige Erscheinung des Imperialismus sind, sondern eine nötige. Beim derzeitigen Stand der Produktivkräfte in den imperialistischen Kernländern, ist eine zunehmende Zentralisation von Kapital erforderlich um z.B. neue Maschinen zu kaufen. Die menschliche Arbeit verschafft dem Kapitalisten ggf. zwischenzeitlich Extraprofit durch einen Wettbewerbsvorteil (z.B. höhere Produktivität). Wenn ein Kapitalist aber z.B. nicht genügend Kapital zur Verfügung hat, so leiht er sich dieses von Banken oder eben über Aktienverkäufe an Aktionäre. Die Banken und der damit verbundene Aktienmarkt haben eine zunehmend größere Bedeutung und durch diese Machtposition kommt es zur Verschmelzung von Bank- und Industrie- zum Finanzkapital. Es kommt zur zunehmenden Konzentration des Kapitals. Spekulation und Bankgeschäfte sind somit eine logische Folge in der kapitalistischen Entwicklung. Dieses Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Eine Reform zurück ist nicht möglich. Und dieses Zurück wäre auch nicht von der Arbeiterklasse anstrebenswert, denn wir werden auch in einem unterentwickelten Kapitalismus ausgebeutet. Die marxistische Krisentheorie zeigt, dass der Kapitalismus Widersprüche hat, die er selbst nicht mehr lösen kann. Der Grundwiderspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Aneignung lässt sich beispielsweise nicht innerhalb des Kapitalismus beseitigen. Hierfür bedarf es eines neuen Systems, dass nur durch eine Revolution erkämpft werden kann. 

Noch ein Wort zu den Analyse-Versuchen: In vielen Zeitungen und Flugblättern von Autoren mit sozialistischem Anspruch finden wir Erklärungsversuche für die Finanzkrise. Hier wird einem z.T. sehr abenteuerliches angeboten. Auch wenn wir aufgrund derzeit anderweitig liegender Prioritäten uns nicht näher mit der „Finanz-“ Krise beschäftigt haben und somit keine Analyse anbieten können, so sei festgestellt: Eine Analyse der Krise ohne marxistische Werttheorie und ohne marxistische Krisentheorie ist nicht möglich. Beispielsweise ist es nicht einfach möglich, dass Werte quasi einfach verschwinden, wie es z.T. dargestellt wird. 

Perspektive: Da der Kapitalismus selbst seine Krisen schafft, seine Widersprüche nicht lösen kann, da er stets auf der Ausbeutung der Arbeiterklasse beruht, den möglichen gesellschaftlichen Fortschritt  hemmt etc. ist dieses System keine Perspektive für uns.  „Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen … Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein.“ [Marx-Engels-Werke Bd. 13; S.9]. Allerdings müssen wir auch ganz offen feststellen, dass die theoretische und parktische Schwäche der revolutionären Kräfte derzeit so enorm ist, das ein Versuch die Übergangsperiode von Kapitalismus zum Sozialismus zu erkämpfen derzeit in einem Desaster enden würde. Dieser Fakt heißt für uns aber nicht die Aufgabe der Perspektive. Vielmehr stellt sich uns die Aufgabe die Schwäche zu überwinden um die diesbezügliche Möglichkeit einer erfolgreichen Revolution zu schaffen.

 

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